Zur Entstehungsgeschichte

Wenige Tage nach Jürg Graus Beerdigung erhielt seine langjährige Lebenspartnerin Charlotte Heer Grau ein Kondolenzschreiben von Max Sommerhalder, einem alten Freund von Jürg Grau. Obwohl sie noch in diesem tiefen Schock, dieser Lähmung der ersten Trauertage war, wurde es ihr schlagartig klar, dass diese Worte von Max nicht verloren gehen durften. Liebevolle Worte und schöne Erinnerungen – es war eine Hommage an den Freund. Diese Worte von Max durften nicht verloren gehen, und auch nicht die Worte anderer Freundinnen und Freunde, die sie in diesen Tagen erreicht hatten.

Noch am gleichen Tag, an Jürg Graus Grab, sah sie es vor sich: ein Erinnerungsbuch. »Schattierungen von Grau« sollte es heissen. Ein halbes Jahr später begann sie damit, Freundinnen und Freunde von Jürg anzuschreiben, und bat sie um einen Text über oder an ihren Mann für »Schattierungen von Grau«. Bereits im Frühjahr 2008 lagen über dreissig Texte auf ihrem Tisch. Das Eintreffen dieser Texte per Post oder E-Mail war immer schön und spannend, aber gleichzeitig auch schmerzhaft. Sie las sie und bedankte sich bei der Verfasserin oder dem Verfasser und musste den Text dann sofort beiseitelegen. Es tat jedesmal wieder weh. Was sich Charlotte Heer Grau damals auch nicht bewusst war, war, wie lange der Tod eines geliebten Menschen einen völlig aus der Bahn werfen kann. Man beginnt zwar mit der Zeit nach aussen hin einigermassen »normal« zu leben, tatsächlich ist man aber über Monate wie in einem Kokon gefangen, gelähmt, irgendwie auch unfähig, zu realiseren, was man überhaupt fühlt. Es ist ein »Durcheinanderland«. Mit einem Fuss in der Realität, mit dem anderen in einem Niemandsland. Die Zeit bleibt stehen – und gleichzeitig rast sie vorbei. Jedenfalls war sie unfähig, auch nur einen Satz über Jürg Grau zu schreiben. Alles, jedes Wort war schwer und trauerdurchtränkt.

Ende 2009 erreichte sie dann die Nachricht von Musiker Guerino Mazzola aus den Vereinigten Staaten. Er schrieb, dass seine Frau auch gestorben sei. Am gleichen Krebs wie ihr Mann. So schwer es war, so gut tat es, sich mit diesem gescheiten Menschen auszutauschen. Guerino Mazzola gab ihr den Rat, einfach zu schreiben, die Trauer miteinzubeziehen. Sie begann endlich damit, die Texte zu ordnen und in eine mögliche Abfolge zu bringen, Einleitungen und Überleitungen zu schreiben und schliesslich Ende 2011 ihren eigenen Text mit ihren eigenen Erinnerungen. Gleichzeitig füllte sie nach und nach eine Kiste mit Bildern aus der immensen Sammlung.jg_trumpetSeul

Die zwei grossartigen Grafiker Josef Schätti und Basil Lehman von schaetti-lehmann.ch suchten und fanden den Rahmen, das Layout, die richtige Typographie für all diese Texte über Jürg Grau. So ist das Lese- und Bilderbuch entstanden. Das Resultat lässt sich sehen. Es ist GRAU, so bunt und lebendig, so perfekt und unfertig, so improvisiert und durch und durch inszeniert. Es zeigt nicht alles, aber vieles, was diesen Mann ausgemacht hat, mit vielen seiner Schattierungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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